Der Großvater aller Radpanzer - Belgischer Panzerwagen Minerva M 1914 von Convoy in 1/76

Der Minerva gehört - neben dem französischen Charron - zu den ersten im Gefecht eingesetzten Radpanzern der Welt. Auf Pkwfahrgestellen der Marke Minerva wurden wannenähnliche Panzerungen von 4 mm Stärke montiert. Mangels fehlender Türen mußte die drei- bis sechsköpfige Besatzung über den Wannenrand klettern. Die Bewaffnung bildete ein französisches 8 mm Mg Hotchkiss. Mit ca. 30 Fahrzeugen dieses Types versucht die belgische Armee im Sommer 1914 verzweifelt, die deutsche Dampfwalze zu stoppen.Vier erbeutete Exemplare wurden übrigens vom kaiserlichen deutschen Heer eingesetzt.

Die Wanne des Modells und diverse Kleinteile bestehen aus Gießharz, die filigranen Speichenräder und das Mg aus Metall. Als Zubehör liegt u.a. ein Fernglas bei. Das beiliegende Hotchkiss-Mg, ein Nachguß eines japanischen Modells, ersetzte ich durch ein Exemplar aus Weichplastik aus dem Set Französische Infanterie des 1. Weltkrieges von Revell, das leider nur noch antiquarisch zu bekommen ist. Das rechteckige Schutzschild entstand aus Plastiksheet. Da der Scheinwerfer mir zu modern erschien, ersetzte ich ihn durch eine Lampe aus der Grabbelkiste. An der Motorhaube sollte man noch die Anlasserkurbel ergänzen. Man sollte nicht allzu viel Gepäck anbringen, da die Panzerwagen sich nie weit von ihren Depots entfernten. Das Fahrzeug wurde elefantengrau gestrichen, Lampe und Reservetank in Messing. Auf beiden Seitenwänden wurde die weiße Aufschrift Minerva angebracht (im Original Char Mitrailleuse Minerva). Eine schwarze fünfstellige Nummer wurde vorne und hinten aufbemalt.
Auf zeitgenössischen Fotos ist oft zu erkennen, daß sich die Besatzungen aus gemischten Einheiten der Infanterie und Kavallerie zusammensetzten. Der Fahrer ist ein Guide, ein Kavallerist. Die Figur entstand aus einem französischen Panzersoldaten von Matchbox, der einen neuen Kopf mit Schiffchen erhielt. Die Hosen waren rot, die Kopfbedeckung grün mit gelbem Streifen. Der Mg-Schütze entstammt den Carabiniers-Radfahrern. Er entstand ebenfalls aus einem französischen Panzersoldaten mit Lederjacke. Er erhielt einen neuen Kopf mit japanischer Feldmütze und Schutzbrille, die dem belgischen Tschako ähnelt. Die Mütze wurde hellblau mit gelber Paspelierung bemalt. Die Hose war grau mit gelber Biese. Der hundebespannte Mg-Wagen mit einem Carabinier in vorsintflutlicher Uniform (Tiroler Hut) stammt aus einem Figurenset von Retromodels (heute Exokit). Die belgische Armee von 1914 griff dabei auf das nationale Vorbild ziviler Milchkarren mit Hunden zurück. Leider habe ich beim Zusammenbau einen Fehler gemacht. Der Mg-Lauf müßte nach vorne zeigen.

Fazit: Es handelt sich um ein ausgefallenes, hübsches Modell.
Belgier verstehen nicht nur etwas von Pommes Frites!

Literatur:
Kaufhold-Roll, Heinrich: Die deut. Radpanzer im Ersten Weltkrieg, Biblio Verlag, 1996 (vergriffen ?)

Jörg Schneider (IMM 279)

Fotos: Josef Lenz

(c) Jörg IMM 279