Saarlandbrigade

Das Vorbild:
Der Waffenträger Wiesel 1 Mk wurde ab 1990 zunächst an die Luftlandetruppe, später auch an die Jäger und Gebirgsjäger zur Feuerunterstützung geliefert. Da in der Nähe meiner Heimatstadt noch immer Einheiten der Luftlandebrigade 26 (von der Bevölkerung liebevoll Saarlandbrigade getauft) stationiert sind, stellte ich eine Szene am Kasernentor des Fallschirmjägerbataillons 262 in Merzig/Saar dar, die 1993 angesiedelt ist.

Das Modell :
Von OKB Grigorov aus Bulgarien erschien zum Jahresende 2010 in 1/72 ein Klein-serienbausatz in Gemischtbauweise. Die detaillierte Wanne und Teile des Turms bestehen aus Gießharz und sind proportional sehr stimmig. Das Fahrwerk, die Ketten und diverse Kleinteile bestehen aus Ätzteilen. Außerdem liegen noch eine kleine Klarsichtfolie für Winkelspiegel und ein umfangreicher Abziehbildersatz bei.

Da leider sämtliche Luken angegossen sind, begann ich damit, die Kommandantenluke im Tiefziehverfahren aus erhitztem Plastiksheet nachzubilden. Anschließend wurde die Originalluke vorsichtig aufgebohrt, um darin eine Mig-Figur samt neuem Mikro zu platzieren. Nach dem vollständigen Bemalen der Figur baute ich die Munbehälter und -gurte drum herum. Da die Bordkanone entgegen den Versprechungen der Herstellerwebsite nicht als gedrehtes Metallrohr beilag und viel zu klobig wirkte, griff ich auf die filigrane Waffe eines Schützenpanzers Marder 1A3 von Revell zurück.

Da die Periskope als Ätzteil zigmal gefaltet werden müssen, gab ich nach zwei hergestellten Exemplaren entnervt auf. Die übrigen Winkelspiegel vor der Fahrerluke fertigte ich aus Plastikresten an. Hauptproblem des Bausatzes ist das Fahrwerk. Die geätzten Räder passen im Durchmesser nicht auf die Schwingarme aus Gießharz. Also habe ich nur die äußeren Räder verwandt und sie in mühevoller Kleinarbeit mit einer Rundfeile aufgebohrt. Ergänzt habe ich ein Leitkreuz am Heck, drei Lukengriffe am Bug sowie Rückspiegel und Blinker vorne. Der Wiesel erhielt eine normale europäische Dreifarbentarnung. Die winzigen Eisernen Kreuze passen genau auf die Mun-Behälter. Nur die fehgrauen taktischen Zeichen des Abziehbilderbogens erwiesen sich als überdimensioniert. Daher ersetzte ich sie durch alte Decals von Roco. Die vier Fallschirmjäger "zu Fuß" entstanden aus einer Kombination des neuen Preisersatzes "Auf dem Kasernenhof" und Resinfiguren von Mig mit Splitterschutzwesten.

Der Wachhabende am Schlagbaum (Italeri) erhielt zusätzlich eine Pistolentasche mit P1 und eine weiße Armbinde. Zwei Rekruten bekamen fotogeätzte G 3 Sturmgewehre von Extratech und einen neuen Gefechtshelm spendiert. Die 6 Zaunpfosten entstanden aus Evergreenstückchen. Den Maschendrahtzaun fertigte ich aus einem alten 1/35er Helmbezug von Verlinden in Weichplastik an. Der fotogeätzte Stacheldraht (leider kein echter Nato-Draht) stammt noch von der längst untergegangenen französischen Firma JMP.

Fazit:
Dieser Bausatzwinzling schlägt mit stolzen 28 € zu Buche. Er bietet aber eine eine gute Grundlage für ein gescheites Modell im kleinen Maßstab. Dennoch ist er nur eingefleischten Bundeswehr-Fans zu empfehlen, die nicht ewig auf ein Plastikmodell von Revell warten wollen.

Literatur:
- Journal of assault and helicopter warfare volume 4 ( Concord 2003): enthält sehr gute Hintergrundinfos mit Farbbildern
- Waffenträger Wiesel (Military Ordnance Special Bd. 14): nur s-w Fotos, aber Details
- Waffenträger Wiesel 1 (Das Waffenarsenal Bd. 136)

(c) Jörg Schneider IMM 279