Pula-ajan panssariauto oder "Panzerwagen für Arme"
Ein finnisches Beutestück in 1/72 vom Military Wheels MW (Ukraine)

Vorbild:
Bei der Verteidigung Leningrads 1941 fehlte es der Roten Armee an Menschen und Material. Daher wurden Arbeiterbataillone aufgestellt, die mangels Besserem mit provisorischen Panzerwagen zur Feuerunterstützung ausgerüstet wurden. Die Firma Izhorsky, die schon im 1. Weltkrieg Panzerwagen produziert hatte, war für die teilgepanzerten Lastwagen zuständig. In unserem Fall handelt es sich um den GAZ AA. Mindestens ein Fahrzeug wurde im Herbst 1941 von der vorrückenden finnischen Armee erbeutet und bei Petrozavodsk als Zugmittel wieder verwendet.Die schwedische 3,7 cm Bofors Pak wurde in Finnland in Lizenz hergestellt und trug die Bezeichnung 37 k / 36. Obwohl ihre Durchschlagsleistung zu Kriegsbeginn noch gut war, sah sich die finnische Armee gezwungen, diese Waffe noch im Sommer 1944 einzusetzen, als sie längst veraltet war.



Das Modell:
Es handelt sich um typisches Shortrun-Modell. Sein Plastik ist sehr weich, also Vorsicht beim Schneiden und Entgraten! Obwohl manche Teile wie Räder und Holzpritsche eine gute Detaillierung aufweisen, lässt die Passgenauigkeit deutlich zu wünschen übrig. Das zeigt sich schnell beim Zusammenbau der gepanzerten Kabine und der Pritsche.

Als Anhängsel dient die Bofors-Pak der polnischen Firma Mars. Sie weist feinste Details auf, allerdings neigt das harte Gießharz zum Zerbrechen. Damit das Modell lebendiger wirkt, habe ich vier Soldaten auf den harten Sitzbänken Platz nehmen lassen. Eine Figur mit Blickrichtung nach hinten besteht aus Resin und wurde unverändert übernommen. Die übrigen drei sind Umbauten aus den sitzenden deutschen Artilleristen von Revell (Set 10,5 cm FH 18) in Weichplastik. Ein Soldat erhielt eine Feldmütze, ein zweiter einen deutschen Stahlhelm aus dem 1. Weltkrieg, der noch häufig von der finnischen Armee getragen wurde. Zusätzlich bekam er ein Gewehr mit Bajonett, ideal wäre ein russisches Moisin-Nagant, die finnische Standardwaffe. Der dritte Soldat trägt eine sowjetische MPi , sie ähnelt der finnischen Suomi MPi sehr.

Entgegen der farbenfrohen Tarnung auf dem Deckelbild, die es erst ab 1943 bei finnischen Panzern gab, habe ich mich für ein dunkles russisches Grün entschieden. Auf dem einzigen s-w Foto im Internet lässt sich vielleicht noch ein braunes Tarnmuster ausmachen, das typisch für sowjetische Fahrzeuge im Leningrader Raum war. Vorne und hinten habe ich gelbe Nummernschilder angebracht, die für finnische Softskins üblich waren: Nach den beiden schwarzen Buchstaben SA (Suomen Armia = finnische Armee) folgen noch fünf Zahlen. Das Geschütz wurde in einem deutlich helleren Grün bemalt. Zusätzlich erhielt es eine Tarnung aus ockerfarbenen Streifen. Denkbar wären auch hellgraue Streifen als dritte Farbe, denn diese Kombination ist für die finnische Artillerie schon ab 1941 verbürgt.

Fazit:
Mit etwas Aufwand entsteht ein außergewöhnliches Modell, das in der einschlägigen Literatur zum Thema Finnland bisher völlig übersehen wurde. Ich bewundere den Mut der Firma MW, solche exotischen "Gurken" (es gibt gleich drei Lkw-Varianten) auf den Markt zu bringen.

 

Literatur:
Sehr hilfreich bei der Figurengestaltung und -bemalung sind:
Germany's Eastern Front Allies 1941-45 (Osprey Men-at-Arms 131)
Finland at War 1939-45 (Osprey Elite 1941)

Jörg Schneider (IMM 279)

(c) Jörg Schneider IMM 279