Seiner Zeit voraus:
Die englische Flak-Selbstfahrlafette Pierce-Arrow 1 pdr QF carrier aus dem 1. Weltkrieg

Vorbild:
Zur Abwehr der immer lästiger werdenden Fliegerangriffe auf die Kanalhäfen in Frankreich stellte die englische Marine 1915 ein Fahrzeug in Dienst, das mit einem überschweren 1 Pfünder-Mg (lautmalerisch liebevoll Pom-Pom genannt) bewaffnet war. Im Gegensatz zu vielen anderen zeitgenössischen Konstruktionen besaß der Pierce-Arrow eine 5 mm Panzerung zum Schutz der Besatzung. Als die feindlichen Flugzeuge immer höher steigen konnten und schnell außer Reichweite gerieten, wurde unser Fahrzeug durch ungepanzerte Lkw mit großkalibrigen Kanonen ersetzt. Immerhin vernichtete diese "altmodische" Flak in zwei Jahren 20 feindliche Flugzeuge, eine beeindruckende Abschußzahl für diese Epoche.



Das Modell:
Der Resinbausatz von Matador Models in 1/76 enthält viele Kleinteile wie Blattfedern und Räder, die vorsichtig entgratet werden müssen. Die Paßgenauigkeit ist mittelmäßig. Vor dem Einsetzen des Fahrerhausdaches musste ich sogar die Seitenwände mit einem Föhn bearbeiten. Ganz ohne Spachtelmasse ging es dann doch nicht. An der Maschinenkanone ergänzte ich die Zieleinrichtung aus einem u-förmig gebogenen dünnen Draht und zwei Ätzteilen. Am Bug befestigte ich ein Nummernschild aus Plastiksheet (für das zivile Kennzeichen) und die obligatorische Anlasserkurbel. Aus dünnem Draht entstanden die Einstiegshilfen samt Stützen unter den Türen. Wie beim Original befestigte ich das Bordwerkzeug lose an der umlaufenden Reling. Einige zerbrechliche Benzinbehälter (bezeichnenderweise Flimmsies genannt) landeten auf den Staufächern vor den Rädern.

Die Bemalung des Geschützsockels erfolgte in einem bleichen Türkis (vergleichbar mit hässlichen Badkacheln aus den 60ern). Den hölzernen Boden beließ ich in einem dunklen Braunton. Innen- und Außenwände lackierte ich in einem hellen britischen Grün, das anschließend mit braunen Farbflecken besprenkelt wurde (da das Vorbildfoto s-w ist, könnten auch schwarze Punkte richtig sein). Den Abschluß bildet ein weißer Buchstabencode auf den Seitenwänden, der Auskunft über die Einheit gibt: R.M.A. A.A.B. steht für Royal Marine Artillery Anti Aircraft Brigade. Vorne und hinten brachte ich noch zwei schwarz-weiße zivile Nummernschilder an. Diese Abziehbilder stammen von einem modernen britischen Fahrzeug. Den sitzenden Richtschützen und den Offizier mit Fernglas entnahm ich dem alten Boforsbausatz von Airfix. Da die englischen Rockschöße im 2. Weltkrieg erheblich kürzer waren, wurden sie mit Hilfe von Miliput wieder auf die richtige Länge gebracht. Der Soldat, der eifrig nach den anfliegenden Feindflugzeugen lauscht, ist ein ehemaliger Flugzeugmechaniker aus dem WWI-Pilotensatz von Orion. Da im Fahrerhaus nicht genügend Platz für eine sitzende Figur war, stellt ich den Fahrer beim Betreten des Kampfraums zur Unterstützung seiner Kameraden dar. Die nach vorne gebeugte Weichplastikfigur entstammt dem alten Airfixset Royal Horse Artillery.

Fazit:
Ein exotischer Radpanzer, der aus der Masse der bekannteren Rolls Royce hervorsticht. Trotz der nötigen Nacharbeit handelt es sich um einen liebevoll gefertigten Kleinserienbausatz, der allerdings seinen Preis hat. Schon zu den guten alten DM-Zeiten kostete er fast einen halben Hunderter.

Literatur:
Mir ist nur ein Buch bekannt, das auch Einsatzfotos und Zeichnungen enthält:
Fletscher, David: War Cars. British Armoured Cars in the First World War, London 1987.

Jörg Schneider (IMM 279)

(c) Jörg Schneider IMM 279
Fotos: Josef Lenz