Ein nicht ganz ernst gemeinter Ausstellungs- und Reisebericht
Schon vor geraumer Zeit spielte ich mit dem Gedanken einmal zu einer
größeren internationalen Ausstellung ins europäische Ausland zu fahren.
Somit lag der Gedanke nah, sich zu einem der reinen Militärfahrzeug-Modellbauevents
zu begeben. Wir beschlossen, d.h. meine mich begleitende Freundin und
ich, zur zeitlich nächstgelegenen Ausstellung, der TRUCKS´n`TRACKS nach
Folkestone am 25./26. Februar zu fahren. Die Wochen vor dem Termin waren
gekennzeichnet durch täglich ca. 6-7stündiges Basteln nach der Arbeit,
da ich unbedingt ein neues Diorama im Wettbewerb abgeben wollte. In
den frühen Morgenstunden des Freitag, den 24.02., ging es auf den Weg
zur Fähre nach Calais. Die erste kleinere Panikattacke überfiel mich,
als wir mit dem Auto von der Fähre fuhren in Dover und dann: Linksverkehr!
Also erstmal dem vorausfahrenden Fahrzeug hinterher, egal wo der hinfährt,
nur erstmal um sich an den Verkehr zu gewöhnen. So aufmerksam bin ich
schon lange kein Auto mehr gefahren, vor allem mit Augen so groß wie
Tennisbälle. Am Samstagvormittag ging`s dann los zur Leas Cliff Hall.
Um Punkt 10 Uhr öffnete diese Ihre Pforten. Und was soll ich sagen,
nachdem wir uns einen ersten Überblick verschafft hatten, erkannte ich,
die ganze Sache hier war wie ein Realität gewordener feuchter Traum
eines Militärfahrzeugmodellbauers. Eine breite Treppe führte hinab in
einen großen Saal. Dieser war gefüllt mit Verkaufsständen der verschiedensten
Hersteller und Firmen, darunter auch Landsleute aus Deutschland, wie
Fine Schale Factory, Michael Gohres Modellbau und der Verlag Jochen
Vollert.
Ein selbstauferlegtes Zölibat verbot mir über die Verkaufstände herzufallen,
um mich mit Zubehör und Bausätzen einzudecken. Es war die reinste Folter.
Rechts und links seitlich auf der Gallerie befanden sich meterlange
Tische mit Panzern, Militärfahrzeugen, Dioramen und Figuren. Darunter
auch ein riesiges Modelleisenbahndiorama mit einem ca.1,5 m langen Panzerzug
BP 44 sowie weiteren Panzerzugwagen und Draisinen, eine sehr interessante
Sache. Im unteren Teil der Leas Cliff Hall befand sich ein weiterer
Ausstellungsbereich und die Wettbewerbstische. Von dort hat man eine
phantastische Aussicht durch große Panoramafenster genau aufs Meer,
wie romantisch: Meer, Panzer, Militärfahrzeuge, Dioramen…, da kann man
schon mal ins Schwärmen kommen! Im Außenbereich führte ein englischer
Modellbauclub originalgetreu gebaute, ferngesteuerte Modelle vor. Solch
Modelle konnte man auch in verschiedenen Baustufen begutachten. Man
muss eingestehen, da steckt doch trotz der Größe ein erheblicher Arbeitsaufwand
drin, da jedes Einzelteil per Hand gefertigt wird. Ein original britischer
Panzerjäger Achilles, sowie diverse Jeeps und andere Fahrzeuge waren
ebenfalls im Außenbereich ausgestellt. Diese wurden von der War-and-Peace-Show
zur Verfügung gestellt.
Nach einer etwas verschwitzten Nacht, ich träumte von Panzern, Panzern,
Panzern…, waren wir dann auch fast den ganzen Sonntagnachmittag auf
der Ausstellung. Zuvor hatten wir uns jedoch die Gegend um Folkestone
etwas angeschaut und den Einheimischen Angst mit unseren Fahrkünsten
eingejagt. Die Wettbewerbstische hatten sich bis zum Sonntagmittag prall
gefüllt mit Modellen und Dioramen in den verschiedensten Kategorien.
Die Modelle, welche präsentiert wurden, zeugten vom hohen modellbauerischen
Können ihrer Erbauer. Besonders beeindruckt haben mich diverse Figurenmodelle.
Einen kleinen Erfolg konnte auch ich im Wettbewerb erringen, Goldmedaille
in der Kategorie "Dioramen M1:48 und kleiner". Das musste dann natürlich
in einem original englischen Pub begossen werden. Am Montag ging es
dann zurück nach Deutschland, anfangs auch recht zügig bis wir ungefähr
auf Höhe Gummersbach mitten hinein ins Schneechaos…fuhren. Zusammenfassend
muss ich sagen: ein anstrengendes, aber interessantes und schönes Wochenende.
Und wenn ich wieder mal die Möglichkeit habe, nix wie hin!
Andreas Malsch